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Daymoon: Wednesday (Review)

Artist:

Daymoon

Daymoon: Wednesday
Album:

Wednesday

Medium: CD/Download
Stil:

Progressive-, Jazz- und Art-Rock, Avantgarde, Singer/Songwriter

Label: OOB Records/Just For Kicks
Spieldauer: 56:13
Erschienen: 20.02.2026
Website: [Link]

„Unseren Schmerz teilen wir zuerst mit anderen Musikern und schließlich mit einem weitgehend unbekannten Publikum. Wir lassen dessen persönliche Bedeutung und Wirkung fließen, damit unser Schmerz von der Gemeinschaft absorbiert werden kann. Deshalb danke ich meinen Musikerkollegen und allen, die DAYMOON hören, von ganzem Herzen.“ (Fred Lessing)

Wer den Namen DAYMOON hört und ein Freund nicht nur ungewöhnlicher progressiver Rockmusik ist, sondern auch weltmusikalischer und klassischer oder jazziger wie experimenteller und weit ausholender sowie noch dazu vokaler Wundertaten, der muss jetzt sehr, sehr stark sein. Denn wer diesen Namen einer Band aus Portugal um den Multiinstrumentalisten Fred Lessing noch nicht kennt, der hat seit nunmehr schon 15 Jahren wohl einen der ungewöhnlichsten wie bewundernswertesten Music Acts überhaupt übersehen und verpasst. Ihm ist etwas entgangen, was einen spätestens nach „Wednesday“ sprachlos zurücklässt – und dauerhaft nachwirkt!
Ähnlich dauerhaft wie ROBERT WYATTs „Rock Bottom“ und MILES DAVIS' „Bitches Brew“.


Ab dem ersten ungewöhnlichen, so seltsam instrumentierten Ton von „Wednesday“ wird man in dieses Album hineingezogen und keine Sekunde mehr losgelassen. Ähnlich ergeht es einem höchstens noch bei einer weiteren unglaublichen wie ungewöhnlichen und rundum faszinierenden Band, die KLAATU heißt und noch dazu extrem geheimnisvoll ist. Doch nicht nur das: Diese Band ist eine der ausgewiesenen Lieblingsbands von Mr. Lessing, der offensichtlich versucht, deren grandiose Klangvielfalt mit seinen DAYMOON noch zu perfektionieren. Hierfür dienen ihm und seinen Musikern eine Vielzahl der ungewöhnlichsten orientalischen Musikinstrumente, die zusätzlich neben Rock-, Blas- und Streichinstrumenten zum Einsatz kommen sowie Sängerinnen und Sänger, die mit ihren Stimmen mal erzählerisch oder verspielt melodiös genauso wie experimentell riesige chorale Vulkane zu entfachen verstehen.

Wer jetzt noch nicht progressives Blut geleckt hat, der wird es wohl spätestens dann tun, wenn wir eine der auf „Wednesday“ vertretenen Sängerinnen mit ins Spiel bringen, die anno 2015 für eins der meistbeachteten und bewunderten (Ja, gar besten Prog-Alben aller Zeiten!) Alben wie Bands ihren außergewöhnlichen Gesang beisteuerte: „Shiny Eyed Babys“ von BENT KNEE! Ihr Name COURTNEY SWAIN.


Und ja: Wer BENT KNEE auch nur ansatzweise mag, der wird DAYMOON lieben. Darum werde ich an dieser Stelle auch nicht so weit wie bei dem hier erwähnten Album von BENT KNEE, das eine volle Punktzahl von uns erhielt, ausholen, denn fast alles, was ich dazu schrieb, trifft im Grunde auch für „Wednesday“ zu.
Sogar dieses eigentümliche Schwarz-Weiß-Cover und die schwere, bedrückende Thematik, die ihren absoluten todtraurigen Höhepunkt in dem mehrteiligen Epos „Verschickungskind“ (über die selbsterlittenen Qualen in einem deutschen Kinderheim) findet, zu dessen Thema es, neben den umfänglichen Ausführungen und Texten, außerdem im 12-seitigen Booklet acht extrem bedrückende Schwarz-Weiß-Fotos zu sehen gibt.


Noch intensiver versteht man die Vereinigung der Musik mit den stellenweise grauenhaften Thematiken, wenn man den Ausführungen von Fred Lessing dazu unter facebook folgt, in denen er feststellt: „Viele der Texte, die ich schreibe, sind autobiografisch – darunter ein ganzes Album über den Umgang mit dem Tod meiner ersten Frau und meine tiefe Enttäuschung über einige Menschen in meinem Umfeld und den Beginn meines Lebens 2.0; eine ausgedehnte Suite über den Missbrauch, dem ich als Kind in deutschen Kinderheimen ausgesetzt war; oder ein Lied über den Verlust eines sehr lieben Freundes.
Dafür gibt es zwei Gründe: Der erste ist, dass die Umwandlung von Traumata in Musik eine Möglichkeit ist, Schmerz zu formalisieren, ihn zu bündeln und ihm ein Ende zu geben, ein Ende mit Musik. Der zweite Grund ist, dass wir, indem wir unseren Schmerz zuerst mit anderen Musikern und schließlich mit einem weitgehend unbekannten Publikum teilen, seine persönliche Bedeutung und Wirkung fließen lassen, damit unser Schmerz von der Gemeinschaft absorbiert werden kann. Deshalb danke ich meinen Musikerkollegen und allen, die DAYMOON hören, von ganzem Herzen.“

So vereinen sich also (auch auf Gesangsebene) ROBERT WYATT mit spannungsvoll eingesetzten FRIPPertronics und MILES DAVIS' gespenstisches „Bitches Brew“ bei den faszinierenden Trompetenbeiträgen, die es jede Menge auf „Wednesday“ zu entdecken gibt.
Was für ein Album!!!


FAZIT: Mit „Wednesday“ verlangt der federführende Multiinstrumentalist Fred Lessing hinter DAYMOON seinen Hörern viel Kraft und Mut ab, die bei den schweren Thematiken – unter anderem eine epische Suite über die Schrecken in einem Kinderheim – tatsächlich mit dem historisch schwer belasteten 'Kraft durch Freude'-Thema verglichen werden kann. Dagegen ist die Musik auf „Wednesday“ schlicht unvergleichlich stark und verbreitet die tiefe Schwere solcher Bands und Musiker wie BENT KNEE und ROBERT WYATT oder das Hexengebräu von MILES DAVIS.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 84x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
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Tracklist:
  • Dyschordia
  • Mid-Week Crisis
  • Real Diehl
  • The Poet Who Vanished On Wednesday
  • Oceans Of The Moon
  • The Trees Of The Mind Are Back
  • The Arrythmix
  • = Verschickungskind =
  • Globulin Brine
  • The Vice
  • Bitter Lemon Soup
  • Lie In Silence
  • Lungs Unfold
  • Solitary
  • Calling All Saints
  • Cocoon

Besetzung:

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